3.2 Durchführung der Prüfung

3.2.1 Allgemeines

Die Prüfung besteht aus einem theoretischen und einem praktischen Teil und soll möglichst an einem Tag durchgeführt werden. Die Prüfung wird von einer Prüfungskommission abgenommen, die aus drei Prüfern (einem Vorsitzenden und zwei Beisitzern) besteht. Die Prüfung wird von dem Vorsitzenden der Prüfungskommission (Vorsitzender des Prüfungsausschusses oder einer seiner Vertreter) geleitet. Kann die Prüfung aus zwingenden Gründen nicht an einem Tag abgeschlossen werden, ist darauf zu achten, daß der noch ausstehende Teil der Prüfung möglichst von denselben Prüfern und möglichst am darauf folgenden Tag abgenommen wird.

3.2.2 Vorbereitung der Prüfung

Ort und Zeitpunkt der Prüfung hat der Vorsitzende des Prüfungsausschusses im Einvernehmen mit der zuständigen Wasser- und Schiffahrtsdirektion rechtzeitig vorher festzusetzen. Zu diesem Zweck sind der zuständigen Wasser- und Schiffahrtsdirektion rechtzeitig vorher der beabsichtigte Prüfungstermin und -ort und die voraussichtliche Anzahl der Prüflinge mitzuteilen. Gleichzeitig sind die Prüfungsteilnehmer einzuladen. In der Einladung sind die Bewerber auf die Kostenfolgen im Falle eines Fernbleibens hinzuweisen. Auf eine schriftliche Einladung können die Bewerber im Antrag verzichten. Mit Zustimmung der Bewerber kann die Einladung auch an den Lehrgangsleiter gerichtet werden. Vor der Prüfung wird von der Prüfungskommission festgelegt, welche Fragebögen beantwortet werden müssen. Der Vorsitzende des Prüfungsausschusses hat dafür zu sorgen, daß die Prüfung an einem geeigneten Ort durchgeführt wird, der sowohl genügend große Räume für die theoretische Prüfung als auch einen Bootsanleger für die praktische Prüfung aufweisen muß. Die Zahl der Prüfungsteilnehmer sollte mindestens 20 Bewerber betragen. Es dürfen jeweils nur so viele Bewerber in einer Prüfung gleichzeitig geprüft werden, als durch organisatorische Maßnahmen sichergestellt werden kann, daß die Prüfung ordnungsgemäß abgenommen wird. Während der Prüfung dürfen außer den Bewerbern nur die Mitglieder und Bediensteten des Prüfungsausschusses, des Koordinierungsausschusses und Vertreter der zuständigen Aufsichtsbehörde, sowie bei der praktischen Prüfung zusätzlich der verantwortliche Schiffsführer, anwesend sein. Die Identität des Bewerbers ist zu prüfen.

3.2.3 Die Prüfung

3.2.3.1 Theoretische Prüfung

Gegenstand der theoretischen Prüfung ist der Fragenkatalog, der aus 72 Basisfragen, 213 spezifischen Fragen See und 15 Navigationsfragen besteht. Aus diesem Fragenkatalog werden 15 Fragebogen erstellt. Jeder Fragebogen enthält 7 Basisfragen, 23 spezifische Fragen See und eine Navigationsaufgabe, die aus 9 zusammenhängenden Fragen besteht. Zur Beantwortung der im Antwort-Auswahl-Verfahren gestellten Basis- und spezifischen Fragen See muss der Bewerber aus jeweils vier Antwortvorschlägen eine Antwort durch Ankreuzen auswählen. Von den vier Antwortvorschlägen ist jeweils nur ein Antwortvorschlag richtig. Für jede richtig ausgewählte Antwort erhält der Bewerber einen Punkt. Die 9 Fragen der Navigationsaufgabe muß der Bewerber schriftlich beantworten. Der Bewerber erhält für jede richtige Antwort einen Punkt. Inhaber des Sportbootführerscheins-Binnen unter Antriebsmaschine sind von der Beantwortung der 7 Basisfragen befreit. Die theoretische Prüfung ist grundsätzlich schriftlich durchzuführen. Jedem Bewerber ist ein nach Maßgabe von Nummer 3.2.2 ausgewählter Fragebogen vorzulegen, welcher in einem Zeitraum von 60 Minuten bearbeitet werden muß. Bewerber, die als Inhaber des Sportbootführerscheins-Binnen unter Antriebsmaschine von der Beantwortung der 7 Basisfragen befreit sind, müssen den Fragebogen in einem Zeitraum von 50 Minuten bearbeiten. Unerlaubte Hilfsmittel, wie z. B. Nachschlagewerke, auch elektronischer Art, dürfen bei der Beantwortung der Fragen nicht benutzt werden. Bei einem Täuschungsversuch gilt die Prüfung als nicht bestanden. Das gilt auch für bereits erfolgreich durchgeführte Prüfungsteile. Der Vorsitzende hat vor Beginn der Prüfung die Bewerber über die Folgen eines Täuschungsversuchs zu belehren. Die Prüfung ist von einem Mitglied der Prüfungskommission zu beaufsichtigen. Die Prüfung gilt als bestanden, wenn der Bewerber mit der Beantwortung der Basisfragen und der spezifischen Fragen See mindestens 24 Punkte und mit der Beantwortung der Navigationsaufgabe mindestens 7 Punkte erreicht hat. Für Bewerber, die als Inhaber des Sportbootführerscheins-Binnen unter Antriebsmaschine von der Beantwortung der 7 Basisfragen befreit sind, gilt die Prüfung als bestanden, wenn sie mit der Beantwortung der spezifischen Fragen See mindestens 18 Punkte und mit der Beantwortung der Navigationsaufgabe mindestens 7 erreicht haben. Eine mündliche Prüfung ist nur in Ausnahmefällen möglich. Zu diesen Ausnahmefällen zählen eine Legasthenie oder nicht ausreichende Deutschkenntnisse, was durch die Vorlage geeigneter Unterlagen wie Atteste, ärztliche Bescheinigungen, Schulzeugnisse oder Gutachten glaubhaft gemacht werden muß. Die mündliche Prüfung muß bereits mit dem Antrag auf Zulassung zur Prüfung beantragt werden. Die mündliche Prüfung wird von zwei Mitgliedern der Prüfungskommission durchgeführt, von denen einer die Fragen stellt. Der andere Prüfer führt Protokoll über die mündliche Prüfung. Die Bewertung erfolgt durch die beteiligten Prüfer gemeinsam. In der mündlichen Prüfung werden dem Bewerber die Fragen eines nach Maßgabe der Nummer 3.2.2 ausgewählten Fragebogens zur Beantwortung vorgelesen. Die Navigationsaufgabe ist zuerst zu lösen. Die Prüfung ist abzubrechen, wenn ein Bestehen der Prüfung nicht mehr möglich ist.

3.2.3.2 Praktische Prüfung

Zum Nachweis des sicheren Führens eines Sportfahrzeuges hat jeder Bewerber in der praktischen Prüfung die fünf verschiedenen, im Prüfungsprotokoll (Anlage 7) unter I verzeichneten Pflichtmanöver/Fähigkeiten sowie zwei von drei im Prüfungsprotokoll unter II genannten Sonstige Manöver/Fähigkeiten richtig auszuführen und mindestens sechs von sieben im Prüfungsprotokoll beschriebene verschiedene Knoten, die vom Prüfer ausgewählt werden, vorzuführen und deren Bedeutung zu erklären. Die Anweisung für die Durchführung der praktischen Prüfung (Anlage 7) ist hierbei zu beachten. Inhaber eines Sportbootführerscheins-Binnen mit Antriebsmaschine sind von den Sonstigen Manövern/Fähigkeiten und Knoten (Anlage 7 Nummer II und III) befreit. Die praktische Prüfung an Bord wird von einem Prüfer durchgeführt. Dieser nimmt eine abschließende Bewertung der praktischen Prüfung vor und teilt diese dem Prüfungsausschuß mit. Die Knoten können im Rahmen der praktischen Prüfung auch von einem anderen Prüfer der Prüfungskommission geprüft werden. Für die praktische Prüfung sollte ein Gewässer gewählt werden, das entweder eine Seeschiffahrtsstraße ist oder wenigstens in etwa vergleichbare Verhältnisse aufweist. Für die Abnahme der praktischen Prüfung hat der Bewerber ein Sportboot mit mehr als 10,03 kW (15 PS) und einen Schiffsführer zu stellen, der eine Fahrerlaubnis haben muss. Das Prüfungsboot muß betriebsfähig sein. Der Vorsitzende kann ein Prüfungsboot ablehnen, wenn es nicht verkehrssicher ist oder aufgrund seiner Bauart, Größe und Tragfähigkeit für die Durchführung der Prüfung ungeeignet ist (§ 6 Absatz 4 SpbootFüV-See). Auf dem Prüfungsboot müssen ein Kompaß und ein Anker mit ausreichender Leine oder Kette, ein Bootshaken, ein Rettungsring, ein Feuerlöscher und gegebenenfalls zwei Stechpaddel sowie für jede an Bord befindliche Person eine zugelassene Rettungsweste vorhanden sein. Während der Prüfungsfahrt haben anleitende oder unterstützende Maßnahmen, die dem Zweck der Prüfung zuwiderlaufen, zu unterbleiben. Ergibt die praktische Prüfung, daß der Bewerber die vorgeschriebenen Manöver und Fertigkeiten nicht beherrscht, so gilt die Prüfung als nicht bestanden (Prüfungsprotokoll Anlage 7).

3.2.3.3 Verzicht auf Prüfungsteile (Theorie oder Praxis)

In den nachstehenden Fällen ist auf die theoretische oder auf die praktische Prüfung zu verzichten, da der Bewerber die erforderlichen Kenntnisse oder Fähigkeiten in einer anderen amtlichen Prüfung nachgewiesen hat. Eine Fotokopie des Prüfungszeugnisses ist zu den Unterlagen zu nehmen.

3.2.3.3.1 Verzicht auf die theoretische Prüfung

Der Nachweis der erforderlichen Kenntnisse gilt als erbracht, wenn der Bewerber Inhaber des Zeugnisses über die Prüfung zum Sportseeschiffer nach der Bekanntmachung über die Einführung von Sportseeschiffer- und Sporthochseeschifferprüfungen an den Seefahrtschulen vom 06. Juni 1934 (BGBl. III 9513-3-1) ist. Der Nachweis der erforderlichen Kenntnisse gilt als erbracht, wenn der Bewerber eine Bescheinigung der Wasserschutzpolizeischule Hamburg über die erfolgreiche Teilnahme an einem wasserschutzpolizeilichen Einweisungs-Lehrgang vorlegt.

3.2.3.3.2 Verzicht auf die praktische Prüfung

Der Nachweis der Fähigkeit zur praktischen Anwendung der zur sicheren Führung eines Sportbootes auf den Seeschiffahrtsstraßen erforderlichen Kenntnisse gilt als erbracht, wenn der Bewerber eines der nachfolgenden Fertigkeitszeugnisse besitzt: 1.Schifferpatent, Schifferausweis oder Befähigungszeugnis im Sinne der §§ 15, 24, 26 und 39 der Verordnung über Befähigungszeugnisse in der Binnenschiffahrt vom 07. Dezember 1981 (BGBl. I Seite 1333), soweit diese Patente oder Zeugnisse nur für Binnenschiffahrtsstraßen oder Teile von ihnen gelten; 2.Befreiung für Elbschifferzeugnisse oder Zeugnis für die Zulassung zum Verkehr mit Motorfahrzeugen auf Teilen einer Seeschiffahrtsstraße, z. B. Inhaber eines Hafenpatentes nach der Hamburgischen Verordnung über Befähigungszeugnisse in der Hafenschiffahrt vom 16. September 1959 (GVBl. Seite 128); 3.Zeugnis nach § 9 der Polizeiverordnung über die Benutzung von Maschinen getriebenen Wasserfahrzeugen zur gewerblichen Personenbeförderung auf den Gewässern um Helgoland vom 02. Juni 1964 (GVOBl. Schleswig-Holstein Seite 67); 4.Bodenseeschifferpatent A in Verbindung mit einer zusätzlichen Bescheinigung über eine mit Erfolg abgelegte praktische Motorbootprüfung bei den Landratsämtern Bodenseekreis, Konstanz oder Lindau. Eine praktische Prüfung hat auch dann stattzufinden, wenn der Bewerber lediglich im Besitz eines Verbandszeugnisses ist.

3.2.3.4 Befreiung von Prüfungsteilen (Theorie oder Praxis)

Der Prüfungsausschuß kann den Bewerber von der theoretischen oder praktischen Prüfung befreien, wenn er in einer früheren nicht bestandenen Prüfung einen der beiden Prüfungsteile bestanden hat. Die voran gegangene Prüfung darf nicht länger als 6 Monate zurückliegen. Die Befreiung liegt im pflichtgemäßen Ermessen des Prüfungsausschusses. Die Tatsachen der Befreiung und ihre Begründung sind in der Niederschrift über den Prüfungsverlauf zu vermerken.

3.2.3.5 Entscheidungen der Prüfungskommission

Der Bewerber hat die Prüfung bestanden, wenn er die erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten durch die theoretische und praktische Prüfung nachgewiesen hat. Über den Prüfungsverlauf ist für jeden Bewerber eine Ergebnisniederschrift zu fertigen, die von den Mitgliedern der Prüfungskommission zu unterzeichnen ist. Besteht ein Bewerber die Prüfung nicht, so hat ihm der Vorsitzende der Prüfungskommission das Ergebnis mündlich mit dem Hinweis mitzuteilen, daß er einen schriftlichen Bescheid mit Gründen, Kostenentscheidung und Rechtsbehelfsbelehrung erhält. Die Rechtsbehelfsbelehrung ist entsprechend dem Muster der Anlage 4.1 zu fertigen (§§ 37 - 39, 41 Verwaltungsverfahrensgesetz). In den Fällen der Nummer 3.2.3.3.4 ist der Bewerber in dem o. g. Bescheid auf die Möglichkeit der Befreiung von Prüfungsteilen hinzuweisen, wenn die erneute Prüfung nicht später als sechs Monate nach der nicht bestandenen Prüfung durchgeführt wird.